Donnerstag, 12. April 2012

Banken und die Geldschoepfung

Ich denke angesichts der Diskussion zwischen Steve Keen und Paul Krugman (Krugman vs. Keen), dass es ein enormer Vorteil ist kein Wirtschaftswissenschaftler zu sein.
 Man kapiert Dinge einfach schneller.
 Ich versuche mal ein paar Grundlagen zum Thema Banken u. Geldschoepfung, soweit ich sie verstanden habe, zu erklaeren. Ich lasse dazu die Zentralbanken zunaechst aussen vor. Ich betrachte daher auch nur Buchgeld und kein physisches Geld, was nur von Zentralbanken ausgegeben werden kann. Wichtig ist, dass eine Bankbilanz immer ausgeglichen sein muss. D.h. Aktiva (linke Seite der Bilanz) = Forderungen der Bank und Passiva (rechte Seite der Bilanz) = Einlagen muessen! in der Summe immer! den gleichen Betrag haben. Damit das deutlich wird markiere ich Aktiva mit einem Minuszeichen und Passiva mit einem Pluszeichen, was unueblich und nicht fachmaennisch ist, aber dem Verstaendnis meiner Meinung nach hilft. Ich lasse auch ersteinmal Mechanismen, die die multiple Geldschoepfung der Geschaeftsbanken begrenzen sollen aussen vor, betrachte aber zwei Banken A u. B, um den Unterschied der sog. aktiven und passiven Geldschoepfung verdeutlichen zu koennen.


Bank A hat eine Eroeffnungsbilanzsumme von 100. Ebenso Bank B. D.h. Auf Seite der Passiva wird eine Eigenkapitaleinlage von (+)100 und auf Seite der Aktiva eine (Bar)Reserve von (-)100 verbucht. Nun nimmt Bank A die Geschaeftstaetigkeit auf und vergibt einen Kredit von 100 an Kunden A zu 5%. Sie tut dies nicht!, indem sie ihr Eigenkapital aus der Hand gibt. Sie tut das auf der Tastatur ihres Computers, indem sie fuer Kunden A zwei Konten eroeffnet. Eins auf Seite der Aktiva (-)100 und eins auf Seite der Passiva (+)100. Die Bank hat jetzt also eine Forderung von 100 gegen Kunde A in den Buechern und gleichzeitig eine genauso grosse Einlage des Kunden A auf dessen Girokonto. Die Bilanzsumme betraegt jetzt 200 und ist ausgeglichen. Diesen Vorgang nennt man aktive Geldschoepfung. Wenn die Zinsperiode zu Ende ist, werden 5% Zinsen wie folgt verbucht. Auf der Seite der Aktiva wird das Konto von Kunde A mit 5 belastet auf Seite der Passiva das Eigenkapital der Bank um 5 erhoeht (unter der vereinfachenden Annahme, dass der Gewinn aus Zinsdifferenzgeschaeften ohne durch Kosten gemindert zu werden durch die Gewinn und Verlustrechnung laeuft und nicht als Dividende ausgeschuettet wird. Aber auch bei Kosten z.B. durch Zahlung von Loehnen oder bei Gewinnausschuettung per Dividende landen die 5 auf Seite der Passiva). Diese Zinsbuchung ist also ebenfalls eine aktive Geldschoepfung denn die Bankbilanz hat sich auf 205 verlaengert.
Auf Seiten er wirtschaftlichen Akteure, in diesem Fall Kunde A und Bank A steht also der volle Betrag zur Verfuegung, nur muss Kunde A wirtschaftlich aktiv werden, um die 5 von der Bank zu bekommen, damit er irgendwann die Zinsen zahlen kann. Wir halten ihm dabei die Daumen.
Richtig Interessant wird die Sache wenn Kunde A mit den 100 auf seinem Girokonto z.B. ein Haus bei Bauunternehmer B bezahlt. Dann landen die 100 auf der Passiva Seite naemlich auf dem Girokonto von Kunde B. Die Bilanz ist immer noch gleich gross. Auch an der Forderung der Bank gegen A hat sich nichts geaendert, nur die "Verteilung" auf Seite der Passiva hat sich veraendert. Bauunternehmer B war wirtschaftlich erfolgreich aktiv und hat ein Girokonto mit (+)100 und Kunde A muss erst noch beweisen, ob er es schafft durch seine Aktivitaeten die Forderung der Bank zu erfuellen. Sie sehen also es ist im Prinzip immer! genug Geld da, um die Bankbilanz auszugleichen, nur ist es zunehmend ungleich verteilt. Das wollte ich mit dem mathematischen Modell verdeutlichen.
Um nun noch den Vorgang der sog. passiven Geldschoepfung zu erklaeren, lassen wir Baunternehmer B sein Girokonto bei Bank B fuehren. Das heisst Kunde A ueberweisst seine 100 auf ein Konto von Herrn B bei Bank B. Damit sind ersteinmal beide Bankbilanzen schief.
Bank A hat eine Forderung von inzwischen 105 gegen Kund A in den Buechern ohne eine entsprechende Einlage auf Seiten der Passiva zu haben und Bank B geht es umgekehrt. Sie hat eine Einlage in Hoehe von 100 auf dem Konto von Bauunternehmer B und keine entsprechende Forderung auf Seiten der Aktiva in den Buechern. Hier kommt nun der Interbankenmarkt ins Spiel auf dem Bank B nun einen Kredit in Hoehe von 100 anbietet und Bank A einen Kredit von 100 sucht. Wenn die beiden zusammen kommen, ist alles wieder ausgeglichen und Bank B hat eine Forderung gegen Bank A in den Buechern und Bank A eine entsprechende Einlage von Bank B verbucht. Allerdings hat dabei ein Vorgang stattgefunden der passive Geldschoepfung genannt wird. Denn durch die Ueberweisung von Bank A nach Bank B musste die Geldmenge wachsen um die Bilanzen ausgeglichen zu halten und zwar um den Kredit den Bank B nun Bank A gegeben hat. Wenn derartige Zahlungsstroeme im Mittel ausgeglichen sind, dann ist das eher kein Problem. Aber die Target2 Debatte zeigt, dass dies nicht immer der Fall ist und massive Ungleichgewichte ausgeloest durch Kapitalflucht oder lange andauernde hohe Leistungsbilanzungleichgewichte sich dann in den Bankbilanzen niederschlagen und bei einem gestoerten Interbankenmarkt nur noch durch Schoepfung von Zentralbankgeld ausgeglichen werden koennen.
In dem von mir erstellten Modell  ( 3 ) ist bewusst kein Ausgleichsmechanismus enthalten, um die Notwendigkeit und die ueber Zeit massiv ansteigenden Anforderungen an einen solchen Mechanismus zu verdeutlichen. Wenn er nicht existiert gehen Banken Pleite und wenn er existiert dann sind es oeffentliche Institutionen, wie die Zentralbanken, die die Loecher stopfen und die damit verbundenen Risiken tragen muessen. Leider bestehen keine anderen Alternativen im System und der ganze Weihrauch und Nebel der sog. Wirtschaftswissenschaften ist eher dazu angetan dies zu verschleiern, als es klar und deutlich als eines der Kernprobleme unseres Wirtschaftssystems zu benennen.
Es existiert eine Troika von fundamentalen Denkfehlern, die katastrophale Folgen hat (1).
Dummerweise ist es so, das selbst als progressiv geltende und Nobelpreis dekorierte sog. Wirtschaftswissenschaftler diese Probleme und ihre fatale Tragweite nicht sehen koennen oder wollen. Sie wissen offenbar noch nicht einmal wie das Bankensystem funktioniert (2).
Die Frage der Begrenzung der Kapazitaet zur Geldschoepfung der Geschaeftsbanken habe ich jetzt aussen vor gelassen, da ich mir nicht ganz sicher bin, ob die offizielle Theorie, die Begrenzung sei durch Mindestreserven und Anforderungen ans Eigenkapital gegeben, zutreffend ist. Aber alleine die Kapazitaet der Geschaeftsbanken Geld per Kreditvergabe aus dem Nichts zu schoepfen stellt Modelle, die einen geschlossenen Geldkreislauf beinhalten und in denen Banken nur eine Durchreichfunktion haben, in Frage. Denn diese Geldinjektion erzeugt Nachfrage und ueberdeckt die Folgen des Konzentrationsprozesses, dem die wirtschaftlich Aktiven auf allen Ebenen ausgesetzt sind. Dadurch entsteht eine sich selbstverstaerkende Mitkopplung, die sich zunaechst in einer asset price inflation (bubble) aeussert, um dann ebenfallls mitgekoppelt und somit sebstverstaerkend in einen Crash ueberzugehen, wenn eine gewisse Zahl von Kreditausfaellen, typischerweise bei den im Konzentrationsprozess als Verlierer zu bezeichnenden, einsetzt.

Sapere Aude!

Kommentare:

  1. Hier ist ein Denkfehler, Herr Trappe.

    * Barreserve 100 und EK 100, Bilanzsumme 100 --- richtig.
    * Barreserve 100, Kredit-A 100, Bilanzsumme 200; Einlagen-A 100, EK 100 --- richtig.
    Wenn Sie nichts weiter machen, gehen Sie davon aus, dass der Kunde einen Kredit aufnimmt und das Geld auf dem Konto liegen lässt. Stattdessen bezahlt Kunde-A 100 an Kunde B, dessen Konto auch bei dieser Bank ist:
    * Barreserve 100, Kredit-A 100, Bilanzsumme 200; Einlagen-A Null (von 100), Einlagen-B 100 (von Null), EK 100 --- so sieht es dann aus.
    Sollte Kunde B sein Konto bei Bank-C haben, dann passiert folgendes:
    * Barreserve Null (von 100), Kredit-A 100, Bilanzsumme 100; Einlagen-A Null (von 100), EK 100 --- die Bank hat ihr ganzes EK an Kunde-A verliehen und die Barreserve an Bank-C überwiesen.

    Solange alle Transaktionen im eigenen Haus bleiben, kann die Bank in der Tat Aktiva/Passiva einbuchen, wie es ihr lustig ist. Nicht aber, wenn Geld die Bank verlassen muss. Man kann einen Interbankkredit nicht einfach einbuchen; auch nicht Kundeneinlagen. Man muss sie erst einmal ins Haus bekommen.

    Grüße, KK

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  2. Nein Herr Kastner, es ist kein Denkfehler meinerseits!
    Wenn Kund A Kunde B bezahlt ist das Girokonto von A von 100 auf Null und das von B von Null auf 100 gegangen. Die Bankbilanz bleibt unveraendert 200 lang. Wenn Kunde B nun den Betrag auf ein anderes Konto bei einer anderen Bank als A ueberweist dann tritt das ein, was ich oben beschrieben habe. Die Bank gibt weder bei der Gewaehrung des Kredits noch bei der Ueberweisung ihr Eigenkapital in diesem Fall in Form der Barreserve (=Forderung gegen die Zentralbank) aus der Hand. Sie tut dies nur, wenn Bargeld abgehoben wird. D.h., wenn ein Bank Run einsetzt der den Teil des Eigenkapitals, der als Barreserve gehalten wird (im Beispiel 100%) , per Abhebung ausgschoepft, dann geraet die Bank in Schwierigkeiten und muss die Schalter schliessen.
    Ich verweise nochmals auf die Schrift der Buba,
    Bundesbank-Broschüre: Geld und Geldpolitik, 2011, S. 68ff
    http://www.bundesbank.de/download/bildung/geld_sec2/geld2_gesamt.pdf
    das Vorlesungsskript der Uni Muenster
    http://www.wiwi.uni-muenster.de/insiwo/Download/Vorlesung/makro/5.1._Geldangebot_und_-nachfrage.pdf
    und auch auf den Wikipediaeintrag Geldschoepfung
    http://de.wikipedia.org/wiki/Geldsch%C3%B6pfung
    Viele Gruesse
    Georg Trappe

    P.S. Der Wiki Artikel definiert passive Geldschoepfung anders als die Buba Schrift. Aber das tut im Moment nichts zur Sache. D.h. schlimmstenfalls es gibt zwei Arten der passiven Geldschoepfung, eine a la Buba und evtl eine zusaetzliche a la Wikipedia.
    Ich vertraue da der Buba mehr.

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    1. Ich beeende das jetzt, weil Ihnen - leider muss ich das sagen, Herr Trappe - einfach nicht zu helfen ist. Wenn Kunde-B 100 auf sein Konto bei einer anderen Bank überweist, dann muss die Bank-A diese 100 für/bei Bank-B anschaffen. Wenn die Bank noch über keine Liquidität außerdem ihrem EK 100 verfügt (weil sie noch keine Einlagen hat und noch keinen interbank Kredit bekommt), dann muss sie ihre 100 nehmen und der anderen Bank anschaffen. Wenn sie das nicht tut, ist sie insolvent.

      Verwirren Sie doch bitte nicht andere Lesen mit so vielem starren und sturen Unsinn! Zitieren sich nicht Wikipedia und dergleichen. Gehen Sie doch einfach zu Ihrem Bankbetreuer und fragen Sie ihn/sie!

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  3. Sehr geehrter Herr Kastner,
    ich kann mich nicht erinnern Sie um Hilfe gebeten zu haben. Vielmehr habe ich Ihnen zwei Fragen gestellt, die interessanterweise beide bisher unbeantworten geblieben sind. Weiterhin habe ich Sie auf eine Tatsache hingewiesen, die ich fuer krisenursaechlich halte. Diese Tatsache wurde von mir mehrfach mit verschiedenen Quellen belegt. Sie bestreiten diese Tatsache mit Argumenten und Darstellungen die weder Hand noch Fuss haben und werfen mir vor ich verwirre die Leute.
    Das stoesst mir nun langsam wirklich sauer auf. Denn es ist ihr Berufsstand, der im Windschatten einer Ideologie, die auch Ihre Preferenz zu sein scheint, die Welt an den Abgrund gefuehrt und das Projekt Europa gegen die Wand gefahren hat. Und zwar unter Ausnutzung der Tatsache auf die ich Sie hingewiesen habe und die Sie nach wie vor mit wirren Argumenten bestreiten.
    -
    Zur Sache. Banken koennen Bilanzen nur verlaengern oder verkuerzen. Sie koennen sie nicht gerade biegen. Daher waere beim Abfluss einer Einlage eine weitere Geldschoepfung, wie die urspruengliche bei der Kreditvergabe, keine Loesung. Der Akt der Geldschoepfung durch Geschaeftsbanken erfordert immer zwei Bilanzeintraege selber Groesse.
    Einen auf Seiten der Aktiva und einen gleich grossen auf Seiten der Passiva. Wenn die Bilanz schief wird, weil eine Einlage abfliesst kann dies innerhalb des Systems nur durch Ausgleich mit einer ebenfalls schiefen Bilanz erfolgen. Naemlich mit der der bank zu der die Einlage geflossen ist. Dazu gibt es verschiedene Moeglichkeiten, wie ich Sie im Eichner Blog unter ihrem dortigen Gastbeitrag erklaert habe.
    Siehe auch:
    http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2012/04/endspiel-um-griechenland.html

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  4. Also nochmal: die Kastner Bank AG (KB) hat Herrn Trappe als ersten Kunden und gewährt ihm einen Kredit über 100, der an Herr Mayer auszuzahlen ist. Zwei Szenarien: auch Herr Mayer wird Kunde bei der KB oder er bleibt Kunde bei der Sparkasse Unterhaching (SU).

    * Buchungen bei KB: EK von null auf 100; Cash von Null auf 100; Bilanzsumme von null auf 100.

    Das stellt die Gründung der Bank dar. Herr Kastner hat als Eigentümer 100 EK einbezahlt und dieses Geld steht noch zur Gänze zur Verfügung. Die KB könnte diese 100 auf einem Konto bei der Notenbank angelegt haben, muss aber nicht. Es könnte genauso gut auf einem Nostrokonto der KB bei der Deutsche Bank liegen.

    Jetzt gewährt die neu gegründete KB Herrn Trappe einen Kredit über 100 und zahlt diesen auf sein Konto bei der KB aus.

    * Cash bleibt bei 100; Kreditforderung Trappe von null auf 100; EK bleibt bei 100; Einlagen von Trappe von null auf 100; Bilanzsumme von 100 auf 200.

    Herr Mayer eröffnet ein Konto bei der KB und möchte, dass ihm die 100 von Trappe auf dieses Konto überwiesen werden.

    * Cash bleibt bei 100; Kreditforderungen von Trappe bleiben bei 100; EK bleibt bei 100; Einlagen von Trappe von 100 auf null; Einlagen von Mayer von null auf 100; Bilanzsumme bleibt bei 200.

    Jetzt hat Mayer 100 auf seinem Konto bei der KB, die es zu verwenden gilt. Er benötigt diese 100 auf seinem Konto bei der SU, wo er überzogen ist.

    * Cash geht von 100 auf null; Kreditforderungen von Trappe bleiben bei 100; EK bleibt bei 100; Einlagen von Trappe bleiben bei null; Einlagen von Mayer von 100 auf null; Bilanzsumme von 200 auf 100.

    Jetzt ist KB eine Bank, die mit einem EK von 100 ausgestattet ist, eine Kreditforderung an Herrn Trappe von 100 hat (d. h. das ganze EK ist in diesen Kredit investiert) und über keine Liquidität verfügt.

    Alternative 2: Mayer eröffnet kein Konto bei der KB, sondern möchte von vorneherein, dass die 100 auf sein Konto bei der SU überwiesen werden.

    * Cash geht von 100 auf null; Kreditforderungen an Trappe bleiben bei 100; EK bleibt bei 100; Einlagen von Trappe von 100 auf null; Bilanzsumme von 200 auf 100.

    Es ergibt sich das gleiche Szenario wie oben.

    Liquiditätsrelevant (d. h. echtes Geld ist involviert) ist nur, wenn Geld die Bank verläßt oder zur Bank kommt. Innerhalb der Bank kann der Computer Buchungsvorgänge machen, wie es ihm lustig ist (er könnte z. B. Trappe 10 MEUR Kredit gewähren und diesen Kredit auf ein Konto bei der KB ausbezahlen, ohne dass echtes Geld erforderlich ist. Nur dass Trappe dann über dieses Geld nicht verfügen kann).

    Wenn die KB nun in die sub-prime Pyramide einsteigen möchte, d. h. sie will sub-prime Papiere kaufen, weil dann die Preise steigen und weil die Preise steigen, will sie weiter kaufen, dann geht das nur, wenn die KB Liquidität bzw. Refinanzierung bzw. echtes Geld auftreiben kann. Sie haben die möglichen Geldquellen bereits genannt.

    Das ist die Darstellung aus der Sicht einer einzelnen Bank. Volkswirtschaftlich betrachtet generieren 100 Kundeneinlagen natürlich viel mehr Kreditkapazität als nur 100 im Bankensystem. 100 werden bei Bank-A einbezahlt; diese leitet sie weiter (abzg. Mindestreserve) an Bank-B, etc. Am Ende ist der Multiplyereffekt 6-8, je nach Höhe der Mindestreserve. Das hat aber überhaupt nichts damit zu tun, dass eine einzelne Bank nicht "aus der Luft" Geld schöpfen kann.

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  5. Sehr geehrter Herr Kastner,

    wuerden Sie Ludwig v. Mises als Authoritaet in Sachen Geldtheorie neben Ihnen und meinem Bankberater anerkennen?
    Wenn ja, dann macht es Sinn weiter zu diskutieren.
    Wenn, nein, dann endet die Diskussion hiermit

    GT

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  6. Es überrascht mich, dass Sie von Mises zitieren. Galt er doch als unbeugsamer Liberaler der klassischen Schule (d. h. nicht neoliberal, wie ich beschrieben habe, sondern als Vertreter des Turbo-Liberalismus mit uneingeschränktem Laissez-faire. Liberalen-Kritiker würden ihm vorwerfen, in seiner Freiheitsliebe nicht daran gewohnt zu sein, Dinge zu Ende zu denken).

    Ihr Fehler ist, dass Sie meinen, ich schreibe als Autorität in Sachen Geldtheorie. Nichts liegt mir ferner als das! Ich schreibe als Praktiker, der versucht, mit praktischen Beispielen zu erklären, was eine Bank tun kann und was nicht. Eine einzelne Bank kann Staatsanleihen kaufen so viel sie will, vorausgesetzt, dass sie die notwendige Refinanzierung dafür auftreiben kann. Ohne Refinanzierung kann sie keine Staatsanleihen oder sonstige Assets kaufen. Meine Kritik an Ihnen ist, dass Sie unterstellt haben, eine einzelne Bank könnte sich quasi per Knopfdruck Geld beschaffen, das sie braucht, um Staatsanleihen zu kaufen (oder Kredite zu gewähren). Das kann sie nicht!

    Dass auf Ebene aller Banken insgesamt nicht alle Kredite mit Kundeneinlagen gedeckt sind, habe ich bereits erklärt. Ob jene Milliarde, die eine Bank am Vormittag im Geldmarkt verleiht und sie am Nachmittag im Geldmarkt ausborgt, echtes oder fiktives Geld darstellt, habe ich auch in Frage gestellt. Theorien zum Geld und zur Geldmenge sind eine Sache (und zwar nicht meine); die Refinanzierung einer einzelnen Bank ist eine andere (und zwar sehr wohl meine).

    Übrigens, von Mises – trotz aller Brillanz – war ein gutes Beispiel dafür, dass sehr intelligente Theoretiker, egal wie liberal sie sich fühlen, oft andere Meinungen nicht akzeptieren können. Zumindest hat Milton Friedman das über von Mises berichtet. Außerdem meine ich, dass manche Seiner Äußerungen über den Faschismus nicht gerade glücklich gewählt waren (wenn vielleicht sogar im jeweiligen Gesamtkontext nachvollziehbar).

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  7. Ich dachte ich wuerde Ihnen damit entgegen kommen. Das scheint nicht der Fall zu sein. Ich bedanke mich also fuer den Austausch mit Ihnen und beende die Diskussion mit einem freundlichen Gruss nach Oesterreich.

    Georg Trappe

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  8. Was würde wohl passieren wenn die Banken gezwungen würden grundsätzlich alle Buchungen als elektronisches Geld wie z.B. Bitcoin durchzuführen?
    Wenn auf irgendeinem Konto ein Betrag X gebucht werden soll, dann muss das Geld *gleichzeitig* von irgendeinem anderen Konto heruntergebucht werden.
    Ich meine damit nicht, die Banken sollen Bitcoin benützen, sondern nur eine elektronische Währung mit gleichen Eigenschaften (insbesondere kann das Geld nicht aus freier Luft erzeugt werden).
    Tricksen wäre nicht mehr möglich, weil nur die Geldmenge als Kredit ausgereicht werden kann, die auch effektiv vorhanden ist.

    Das heisst die Summe der Einlagen + Eigenkapital - Kredite müsste immer positiv (oder =0) sein.

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    1. Hallo Romeo,

      der bei weitem ueberwiegendende Teil der durchgefuehrten Buchungen/Transaktionen werden bereits elektronisch ausgefuehrt. Die "Buecher" werden von den Banken auf Computern gefuehrt. Der Bargeldanteil nimmt ab (zumindest war es so bevor die Krise eskalierte). Der Unterschied von Bitcoin zum jetzigen Geldsystem ist, dass die Zahl der maximal in Verkehr gebrahten Bitcoin Einheiten auf 21 Mio beschraenkt ist. Damit geht man im prinzip auf das zurueck, was zu Zeiten des Goldstandards ueblich war. Dort war die Beschraenkung durch die physische Verfuegbarkeit von Gold gegeben. So wie es aussieht behebt aber weder eine Beschraenkung der Geldmenge noch eine Oeffnung der Geldmenge gegen Unendlich die Folgen des Fettaugensyndroms. Vielmehr werden diese bei einer endlichen Geldmenge sehr schnell sehr deutlich sichtbar. leider hat man auch damals versaeumt eine Ursachenanalyse zu machen, die der Sache auf den Grund geht und hat mit der Oeffnung der Geldmenge auf potentiell Unendlich nur das ursaechliche Problem kaschiert. Ich denke also Bitcoin ist keine Loesung fuer das ursaechliche Problem, die stetig zunehmende Konzentration von Real- und Geldvermoegen in den Haenden weniger.
      Viele Gruesse
      Georg Trappe

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  9. Herr Trappe, hätten Sie Herrn Kastner nur einmal das Beispiel der Kreditgewährung im Gleichschritt unter die Nase gehalten, Sie hätten ihn im Sack gehabt. https://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/b/b7/Kreditgew%C3%A4hrung_im_Gleichschritt_%28Bilanzbilder_durch_Hans_Gestrich%2C_1936%29.png
    aus dem wiki-Artikel zur Geldschöpfung.
    Das kommt dabei raus, wenn man Modellrechnungen immer nur anhand EINER Bank (oder was auch immer) anstellt. Man verstellt den Blick auf das Wesentliche. Zudem wird klar, wie schnell man ohne gemeinsame Definition von "Geld" aneinander vorbeireden kann. Kastner redet immer von "echtem" Geld usw., ich würde gern mal wissen, wie er seine letzte größere Anschaffung bezahlt hat. I.d.R. geschieht das UNbar :-)
    Ihre Argumentation bezgl. quasi ungezügelter Kreditausweitung in Boomzeiten und der Notwendigkeit nur EINES schwarzen Freitags um das Kartenhaus komplett zum Einsturz zu bringen, ist verständlich und nachvollziehbar. Kastner bringt noch die Fristentransformation ins Spiel. Wie man beides als Krisenauslöser gewichten will, ist eine andere Frage. Ich gehe nicht davon aus, dass die FTn nennenswert dazu beitragen haben. Vielleicht ist das Schauspiel für Außenstehende dadurch schneller offensichtlich geworden...

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    1. Vielleicht haben Sie recht, aber erklären Sie mir, bitte, warum die deutsche Regierung der HypoRealEstate eine riesige Liquiditätsspritze geben musste, wenn die HRE dieses Geld ohnehin selbst schöpfen hätte können.

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    2. Sehr geehrter Herr Kastner,
      wir beide wissen, dass wir es mit einem zweistufigen geldsystem zu tun haben, indem es Zentralbankgeld gibt und Giralgeld. Letzteres wird von Geschaeftsbanken im Zuge der Kreditvergabe aus dem Nichts geschoepft. Die Menge des Giralgeldes aka Sichtforderungen auf Zentralbankgeld uebertrifft die Menge des Zentralbankgeldes um ein Vielfaches. Damit entsteht das Risiko des Bank Runs. D.h. wenn es einer Bank passiert, das alle Sichtforderungen auf Zentralbankgeld gleichzeitig eingefordert werden, kann sie diese nicht bedienen.
      Waere es Geschaeftsbanken untersagt Giralgeld aus dem Nichts zu schoepfen und duerften sie nur das Zentralbankgeld von Sparern an Kreditnehmer verleihen, wie die sog. Wirtschaftswissenschaften es zur Verdummung des Publikums behaupten, dann haette man sog. Vollgeld und das Risiko des Bank Runs waere nicht gegeben.
      -
      Das zweite prinzipielle Risiko, das sich aus den Praktiken und der Faehigkeit der Giralgeldschoepfung aus dem Nichts der Geschaeftsbanken ergibt, ist der Verlust des Eigenkapitals bei massenweisem Ausfall von Aktiva (=zuvor vergebenen Krediten). Da Banken ihre Aktiva nur zu einem Bruchteil mit Eigenkapital unterlegen muessen, kann es so zu einer Aufzehrung des Eigenkapitals ueber den Weg der GuV kommen, wenn Aktiva in einem Ausmass wertberichtigt oder abgeschrieben werden muessen, die das vorhandene Eigenkapital uebersteigt.
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      Eigentlich haette ich von Ihnen als langjaehrigem Banker diese Erklaerungen eines ansich simplen Sachverhalts erwartet, anstatt hier etwas in Abrede zu stellen, was unbestreitbare Tatsache ist. Ich hoffe Ihnen ist klar, welchen Schluss ich daraus ziehen muss, wenn Sie das bisher versaeumt haben.

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  10. Mitarbeiter der Bank of England raeumen mit populaeren Miskonzeptionen auf. Endlich!
    http://www.bankofengland.co.uk/publications/Documents/quarterlybulletin/2014/qb14q1prereleasemoneycreation.pdf

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  11. http://www.bankofengland.co.uk/publications/Pages/quarterlybulletin/2014/qb14q1.aspx
    http://www.businessspectator.com.au/article/2014/3/18/economy/boes-sharp-shock-monetary-illusions

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